Eine Reflexion über die Verbindung von Christentum und Islam

Dieses Jahr gibt es eine bemerkenswerte Überschneidung zweier bedeutender religiöser Feierlichkeiten: Ostern und Ramadan. Als jemand, der sich für Religion und interreligiösen Dialog interessiert, finde ich es faszinierend, wie sich das Christentum und der Islam in vielerlei Hinsicht miteinander verweben. Diese Überlappung von Feierlichkeiten bietet eine einzigartige Gelegenheit, einen näheren Blick auf die Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden großen Weltreligionen zu werfen. Eine Reflexion über die Verbindung von Christentum und Islam.

Eine Reflexion über die Verbindung von Christentum und Islam

Die Unterschiede wie auch die Gemeinsamkeiten im Wertekanon gerade von christlich und islamisch geprägten Kulturen machen eine vergleichende Betrachtung der islamischen und der christliche Glaubenslehre sinnvoll. Sowohl das Christentum – wie im Übrigen auch das Judentum – als auch Islam bekennen sich zum Glauben an einen Gott. Sie verstehen sich als Offenbarungsreligionen, die sich explizit auf göttliche und prophetische Weisungen berufen. Diese monotheistischen Offenbarungsreligionen entstammen regional und historisch einem gemeinsamen Zusammenhang. Trotz dieser Gemeinsamkeiten beanspruchen beide Religionen, die allein wahre und gültige zu sein und als solche anerkannt zu werden.

Die Propheten

Das Christentum und der Islam haben eine lange Geschichte der Interaktion. Im Islam wird Jesus als Prophet verehrt, während Mohammed als letzter Prophet angesehen wird. Diese gegenseitige Anerkennung zeigt die Verbindung zwischen den beiden Religionen. Beide spielen eine zentrale Rolle im Glauben ihrer jeweiligen Anhänger. Obwohl der Schwerpunkt im Christentum auf Jesus Christus liegt, steht im Islam Mohammed im Mittelpunkt. Trotz ihrer Unterschiede als Propheten werden sie beide als göttliche Botschafter betrachtet. Diese dynamische Beziehung zwischen Jesus und Mohammed prägt das Verständnis und die Praxis des Glaubens in beiden Religionen.

Bibel und Koran berichten von Jesus Christus nur wenig Gemeinsames: Gott hat Jesus (als Christus) zu den Juden gesandt; wurde von der Jungfrau Maria geboren, hat gepredigt und Wunder gewirkt. Er ist in den Himmel aufgenommen worden. Der Koran nennt Mohammed das „Siegel der Propheten“ und erhebt ihn damit über Jesus Christus. Muslime glauben, dass Mohammeds Kommen schon in der „Thora“ (Altes Testament) und im „Indschil“ (Neues Testament) angekündigt wurde. Jesus ist nach dem Koran nicht gekreuzigt worden und nicht auferstanden. Eine Kreuzigung wäre eine schmachvolle Niederlage für Gott und seinen Gesandten gewesen. Jesus hätte mit seinem Tod auch keine Erlösung erwirken können. Über Jesu irdisches Ende macht der Koran keine klaren Angaben.

Die heiligen Schriften

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Bibel im Vergleich zum Koran. Während die Bibel als heiliges Buch des Christentums gilt, betrachten Muslime den Koran als das unverfälschte und endgültige Wort Gottes. Dennoch finden sich in beiden Schriften viele Parallelen und ähnliche Geschichten. Viele der biblischen Figuren, wie Adam, Noah, Abraham und Moses, werden auch im Koran erwähnt, oft mit ähnlichen Erzählungen, die die gemeinsame Abstammung der beiden Religionen unterstreichen.

Gemeinsamer Glaube: Sowohl Christen als auch Muslime gründen ihren Glauben auf Offenbarungsereignisse, die jeweils zur Abfassung eines Buches geführt haben. Die „Heilige Schrift“ (Bibel) und der „Edle Koran“ gelten in der jeweiligen Religion bis heute als die wesentliche Wegweisung für das Leben und den Glauben der Menschen.

Der heilige Geist

Im Islam gibt es kein Äquivalent zum christlichen Konzept des Heiligen Geistes als Teil der Dreifaltigkeit. Stattdessen wird der Begriff des „Geistes Gottes“ verwendet, um auf göttliche Inspiration und Macht hinzuweisen. Der Islam betont die Einheit Gottes und lehnt jegliche Form von Polytheismus ab, daher wird die Idee einer Dreifaltigkeit nicht akzeptiert.

Die formalen Gemeinsamkeiten zwischen Bibel und Koran sind an dieser Stelle sehr gering. Der Koran kennt einen „Geist der Heiligkeit“ (der z.B. Jesus „gestärkt“ habe). Die Bedeutung des „Geistes der Heiligkeit“ bleibt unklar und bezieht sich nicht auf die Sünde und deren Aufdeckung. Nach islamischer Lehre begleitet dieser „Geist“ die Offenbarung der Schriften, die auf die Gesandten herabgesandt wurden (auf Mose die Thora, auf David die Psalmen, auf Jesus das Evangelium und auf Muhammad der Koran).

Die Erbsünde

In der Bibel und im Koran wird betont, dass es dem Willen Gottes entspricht, an ihn zu glauben und nach seinen Geboten zu leben. Beide Schriften lehren, dass Menschen sich vor Gott verantworten müssen und dass sie seiner Barmherzigkeit und Vergebung bedürfen, wenn sie gegen seine Gebote verstoßen. Sowohl die Bibel als auch der Koran sprechen von einem ewigen Heil für diejenigen, die den Willen Gottes befolgen, und von einer ewigen Strafe für diejenigen, die sich von ihm abwenden.

Bibel und Koran betonen, dass es dem Willen Gottes entspreche, an Gott zu glauben und nach seinen Geboten zu leben. Vor Gott dem Schöpfer müssen sich alle Menschen verantworten. Durch die Übertretung der Gebote Gottes werden die Menschen vor Gott schuldig und bedürfen seiner Barmherzigkeit und Vergebung. Bibel und Koran kennen sowohl ewiges Heil als auch ewige Strafe. Der Islam kennt nicht die Abgrundtiefe des „Sündenfalls“ und lehnt eine „Erbsünde“ ab. Der Tod sei nicht die Folge der Sünde, sondern im Willen Gottes begründet.

Eine Reflexion über die Verbindung von Christentum und Islam
Eine Reflexion über die Verbindung von Christentum und Islam

Die Überschneidung von Ostern und Ramadan in diesem Jahr bietet uns eine Gelegenheit zur Reflexion über diese religiösen Traditionen. Es ist eine Erinnerung daran, wie sehr unsere Welt von Vielfalt geprägt ist und wie wichtig es ist, die Gemeinsamkeiten zu betonen, die uns verbinden, anstatt uns nur auf die Unterschiede zu konzentrieren. Indem wir uns gegenseitig respektieren und verstehen lernen, können wir zu einer friedlicheren und harmonischeren Welt beitragen. In diesem Sinne wünsche ich allen, die Ostern und Ramadan feiern, eine gesegnete Zeit des Gebets, der Reflexion und des Zusammenseins.

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